Kurhaus Semmering

Zu den führenden alpinen Grand Hotels, die von nobler Klientel aus allen Ländern der Monarchie um die Jahrhundertwende am Semmering besucht wurden, gesellte sich 1909 zu den Hotelgiganten Panhans, Südbahnhotel und Erzherzog Johann ein Luxushotel der Sonderklasse, das "Semmeringer Kurhaus", das bald schon als Nobelquartier von besonderer Ruhe und Diskretion bekannt wurde.

Max Reinhardt ebenso zu Gast wie Arthur Schnitzler aber auch Anton Wildgans, Raoul Auernheimer, Jakob Wassermann, Otto Brahm, Gerhart Hauptmann, Josef Kainz, Herman Bahr, Ernst Lothar, Franz Werfel sowie Alma Mahler, deren Tochter Anna Mahler hier ihren späteren Ehemann Paul Zsolnay näher kennen lernte.

Das noble Kurhotel hatte die sonnigste Lage am Semmering, wurde speziell nach Süd-Osten ausgerichtet und war gegen die Umgebung durch Wälder geschützt. Mit seiner markanten Außengestaltung stellte es mit seiner Ausstattung und Einrichtung ein Musterbeispiel für die großzügigen und eleganten Kuranstalten dar, wie sie auch Thomas Mann in seinem Roman "Der Zauberberg" beschreibt, obwohl das als Kurhotel konzipierte Haus keine Lungenheilanstalt in diesem Sinne war.

Im Inneren wurde den bis zu 120 Kurgästen eine Fülle von verschieden Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt, die durch ihre Detailgestaltung zwischen der Funktion als Kuranstalt und jener als Luxushotel vermittelten. So gab es im so genannten Hochparterre sehr geräumige Zimmer mit Bad, im ersten Stock waren hingegen doppelt so viele kleinere Zimmer untergebracht. Den Gästen standen ein elegantes Lesezimmer mit einem unvergleichlichen Blick auf den Sonnwendstein, ein Musikzimmer sowie ein Billard- und ein Spielzimmer zur Verfügung. Das Spiel sollte aber der Erholung und Zerstreuung dienen, daher war der Einsatz höherer Geldsummen verboten. Tagsüber vergnügte man sich bei Tennis oder Golf, konnte aber auch ein Luftsonnenbad genießen, oder Gymnastik und Bewegung in der frischen Luft betreiben.

Das Kurhotel wurde als Stahlbetonbau konzipiert und markierte den Übergang vom Historismus zur Moderne. Für den Bau wurden das Architektenduo Franz von Krauß und Josef Tölk verpflichtet, deren Architektenbüro eines der erfolgreichsten der Jahrhundertwende war. Sie bauten unzählige Wohnhäuser und Villen, aber auch Theater wie die Volksoper und die Kammerspiele. Die Kombination von Heimatstilelementen, Schlossarchitektur, dekorativem Jugendstil und funktionalistischer Architektur brachte einen entscheidenden Stilwandel in der Hotelarchitektur am Semmering und erlangte Vorbildwirkung für ähnliche Bauten im Ausland.

Die sehr dekorative künstlerische Innenausschmückung ist dem geometrischen Jugendstil von Josef Hoffmann verwandt und setzt Elemente ein, die auch auf die Werke Otto Wagners hinweisen, etwa das Geländer und die Blumenkörbe im Stiegenhaus.

Trotz zweier Weltkriege, in denen das Kurhaus als Rekonvaleszentenheim bzw. Wehrmachtslazarett und später als Quartier der sowjetischen Besatzungsmacht an der Grenze zur britischen Zone fungierte, sind die Interieurs noch weitgehend erhalten. Neben dem ehemaligen weißen Frühstückssaal ist somit auch der luxuriöse Speisesaal, in dem die heutige Bühne eingerichtet wurde, noch originalgetreu anzutreffen. Dieser beherbergt einen Brunnen, Mosaiken, Wandvertäfelungen und Anrichten, Originalleuchten sowie Thonet-Sessel aus gebeiztem Naturholz, in denen das Publikum im Sommer dazu eingeladen wird, Platz zu nehmen und dem Charme längst vergangener Tage nachzuspüren.

Impressionen